Rollen, Nicken, Spiral-Einleitung betreffen. Bei den tödlichen Unfällen (3) waren gerade solche Manöver außer Kontrolle und die Gleitschirme in einen Spiralsturz geraten. Dieser kann sich gerade aus dem Manöver „Rollen“ ergeben. Den Unfällen gemein war, dass die Schirme aus dem Manöver zuerst in eine starke asymmetrische Tauchphase (auf die Nase) und dann in eine dynamische Drehung geraten sind.
Ebenfalls wurde bei diesen Unfällen beobachtet, dass die Piloten von der schnell und stark zunehmenden G-Kraft so paralysiert waren, dass sie (in allen 3 Fällen) innerhalb kürzester Zeit handlungsunfähig wurden und nicht mehr reagierten.
Das besondere Augenmerk des DHV ist daher mehr als berechtigt. Dankenswerterweise übernehmen wir den Inhalt des do. Informationsschreibens und ersuchen Sie bei diesen (notwendigen) Manövern in der Ausbildung besondere Sorgfalt anzuwenden.
I. Am Weg zu den Flugmanövern
Um als verantwortlicher Fluglehrer überhaupt zu erkennen, ob der Flugschüler bei diesen Manövern überfordert sein könnte, bzw. Flugschüler möglichst verantwortlich an diese Manöver heranzuführen, empfehlen wir
auf gute körperliche und mentale Fitness der Flugschüler zu achten (Tagesverfassung),
die Kommunikation mit den Flugschülern immer so offen zu halten, dass ein „Eingeständnis“ einer Unsicherheit, einer schlechten (Tages)verfassung, eines Schwindelgefühls, niedriger Blutdruck möglich ist und gehört wird,
Übungen im Simulator vorzubereiten, nötigenfalls einen „G-Force Trainer zwischenzuschalten“
die Funkanweisungen zu trainieren
sowie die im Notfall erforderlichen Aktionen (Gewicht neutral und zur Gegenseite, Außenbremse, auch stark und energisch, Abfangen, Retter, etc.) – Das Rollen mit Gewichtsverlagerung und wenig Steuerinput über die Bremse zu trainieren (Steuerleinen nur mit der Gewichtsverlagerung „mitnehmen“, Maximalzug, Höhe untere Beschleuniger-Rolle).
Die verantwortlichen Fluglehrer müssen vor Durchführung der Übung sicherstellen, dass die Flugschüler das Manöver, die Ausführung, die Funkanweisungen, die Notverfahren verstanden haben und soweit in der Lage sind, sie gemäß den Anweisungen auszuführen.
Beim Rollen wird dringend empfohlen, bei moderaten Schräglagen zu bleiben (< 45°): Schwerpunkt ist der Rhythmus und die Ausleitung!
Rundschreiben HG/PG Flugschulen / Sicherheitshinweis angeleitete Flugmanöver / 12.08.2025
Seite 2 von 2
II. Bei der Durchführung der Flugmanöver
Wenn Sie Anzeichen von beginnender, zu großer, zu stark zunehmender Dynamik erkennen ist Ihr rasches entschiedenes Einschreiten notwendig:
Bei deutlich zunehmender Schräglage durch zu starken Steuerinput, deutliches Abtauchen, beginnendes Klappen am Außenflügel, Nähe zum Strömungsabriss an der Innenbremse –greifen sie sofort über Funk ein und beenden das Manöver energisch.
Die wichtigste Erkenntnis: Bewegt sich der Schirm aus der Tauchphase nicht wieder Richtung Senkrechte (über den Piloten), sondern beginnt er dynamisch in die Kurve zu drehen, muss sofort und ohne jede Verzögerung gehandelt werden: Gewichtsverlagerung weg von der Kurveninnenseite, energische Betätigung der Außenbremse sofort anweisen (Seite benennen), Pilotenaktionen auf die Folgereaktionen des Schirmes (Pendeln, Aufstellen, Vornicken) mit Funk anleiten. Bleibt der Schirm auf der Nase und beschleunigt (keine Verlangsamung nach 180°+) muss unmittelbar die Auslösung des Retters energisch und mehrfach angewiesen werden.
Die französischen Kollegen weisen ihre Fluglehrer darauf hin, dass beim Rollen und Nicken auch moderate Amplituden (Nicken < 25°, Rollen < 45°) geeignet sind, das Lernziel zu erreichen: Nämlich den Umgang mit mäßigen Turbulenzen, sprich aktives Fliegen zur Stabilisierung des Gleitschirms. Sie heben auch besonders hervor, wie wichtig die gute Vorbereitung und ein abgestimmtes, eingeübtes Wording ist. (Siehe hierzu das DHV-Dokument „Standard-Begriffe und Funkanweisungen“).
FFVL-Ausbilder beobachten auch eine deutlich reduzierte Roll- und Nickdämpfung, wenn EN-A-Schirme mit hoher Flächenbelastung betrieben werden. Der DHV rät hier in der Ausbildung zum mittleren Bereich des regulär zulässigen Gewichtsbereichs.
Besonders hervorgehoben wird eine ausreichende Höhe über Grund beim Training von Roll- und Nickmanövern. Diese Manöver müssen jedenfalls so abgeschlossen werden, dass ausreichende Höhe für die Landeeinteilung übrig bleibt1.
Referat Hänge-/Paragleiten
ÖAeC/FAA